Stadt Heilsbronn

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... die Fränkische Münsterstadt am Jakobsweg

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Chronik

Bürglein im Winter
Bürglein im Winter

Der Ort Bürglein, der nördlichste Ortsteil Heilsbronns, bildet das erste Dorf des Landkreises Ansbach, sofern man die Landkreisgrenze von Nord-Osten her überschreitet.

Die erste urkundliche Erwähnung Bürgleins datiert auf den 19. Mai 1108. Damals unterzeichnete als Zeuge unter anderen der Reichsministeriale Reginboto von Burgilin eine Urkunde, inhaltlich derer Graf Wolfram von Abenberg der Kirche sein Gut Hofheim (Landkreis Hassberge) übergab. Sohin hat Bürg­lein wohl die längste Geschichte aller umliegenden Ortschaften vorzuweisen, die Orte Heilsbronn und Bonnhof eingeschlossen.

Den Ursprung Bürgleins dürfte ein im 8. Jahrhundert entstandener fränkischer Königshof gebildet haben, der vermutlich etwa an der Stelle stand, an der heute die Kirche steht. Die zentrale Lage Bürgleins, unfern der alten Handelsstraße zwischen Stein bei Nürnberg und Rothenburg, untermauert diese Vermutung. Ein weiteres Indiz für einen Königshof ist die Tatsache, dass Johannes der Täufer schon immer der Patron der Bürgleiner Kirche war: Man wählte ihn nämlich ausschließlich für die zu fast jedem fränkischen Königshof gehörigen Taufkapellen als Patron.

Für die Entstehung des Namens Bürglein existieren zweierlei Erklärungen

Ortskern von Bürglein
Ortskern von Bürglein

Für die Entstehung des Namens Bürglein existieren zweierlei Erklärungen:

Helmut Weigel und Erich Freiherr von Guttenberg sehen den Namen aus dem früher allgemein für eine Befestigung – etwa die des Haupthofes eines fränkischen Königshofes – gebrauchten Namen „Burg“ hergeleitet. Weigel vermutet weiter, dass der Ort den Namen erst erhielt, als die Erinnerung an den Königshof bereits verblasst, die Umwehrung – vermutlich eine einfache Holz-Erd-Befestigung – jedoch noch vorhanden war. Daraus müsste man folgern, dass ein fränkischer Königshof schon lange vor dem Jahr 1108 in Bürglein gestanden hatte.

Der Historiker Georg Rusam hingegen lehnt den Gedanken an einen Königshof strikt ab. Er geht davon aus, dass erst im 12. Jahrhundert die kleine Burg in der Flur Burgstall, nordöstlich von Bürglein, dem Ort seinen Namen gab. Diese Burg dürfte ursprünglich quasi eine „Außenstelle“ der Burg Nürnberg gewesen sein und somit im Eigentum der dortigen Burgherren gestanden haben. Später wurden die Grafen von Wolfstein Eigentümer, die sich auch „von Sulzbürg“ nannten. Die Töchter Conrads von Sulzbürg, Adelheid und Patrissa, verkauften die Burg Bürglein am 28. Januar 1268 an Abt Rudolf und den Konvent des Klosters Heilsbronn.

Bei Grabungen zur Entlastung der Kirchhofmauer wurde im Frühjahr 2009 zufällig eine 90 cm breite Mauer aus dem 11. oder 12. Jahrhundert freigelegt. Der zuständige Archäologe vermutet, es handle sich dabei um eine Grundmauer der ehemaligen Burg Bürglein, da für kein anderes Bauwerk eine derart starke Mauer errichtet worden wäre. Den bis dato angenommenen Standort der Burg in der Flur Burgstall zweifelt er ebenso an wie die Existenz eines fränkischen Königshofes in Bürglein. Gleichwohl sprechen viele gewichtige Argumente gegen diese Auffassung.

Burg zu Bürglein

Blick auf Bürglein
Blick auf Bürglein

So oder so, soll die Burg zu Bürglein schon bald nach ihrem Verkauf abgetragen und die Steine im Jahr 1337 zum Bau des Wasserschlosses in Bonnhof verwendet worden sein. Nach und nach kam fast das ganze Dorf in den Besitz des Klosters Heilsbronn, mit Ausnahme des Gasthauses „Zur Post“, welches den Herren von Vestenberg, dann im 17. Jahrhundert der Nürnberger Familie Pfinzing und später den Herren von Crailsheim gehörte.
Das Kloster Heilsbronn übergab spätestens zu Beginn des 14. Jahrhunderts seinen Grund und Boden in Bürglein als Privateigentum an viele Kleinbauern, die bis dato das Land nur als Arbeiter für die Mönche bewirtschaftet hatten. Im Gegenzug dafür und auch als Ausgleich für früher zu erbringende Arbeitsleistungen hatten die Bauern jährlich Geld- und Sachleistungen zu erbringen.

Zur Kirchengemeinde Bürglein gehörten ursprünglich die Gläubigen in den Orten Bürglein, Böllingsdorf, Bonnhof, Betzendorf, Höfstetten, Hörleinsdorf, Kehlmünz (mit Ausnahme der Mühle und eines Bauernhofs), Münchzell („Kappl“), Wendsdorf, die Weihersmühle mit der Ziegelhütte und Weiterndorf. Im Jahr 1249 ging das Patronatsrecht der 1632 zerstörten Kirche zu Gottmannsdorf von der Pfarrei Großhaslach auf Gottfried von Sulzbürg über. 1818 wurden die Orte Kehlmünz und Weiterndorf der Kirchengemeinde Bürg­lein entzogen. Stattdessen kam das bis dahin zu Großhaslach gehörige Markttriebendorf zu Bürglein. Heute werden von der Bürgleiner Pfarrerin jährlich vier Gottesdienste in Markttriebendorf und einer in Gottmannsdorf abgehalten.

Michael Grimm, der damalige Ortspfarrer, gründete im Jahr 1593 die Schule. Sie stand seinerzeit im Kirchhof. Irgendwann nach 1807 wurde an dem Platz, an dem heute die Gaststätte „Zur Friedenseiche“ steht, ein neues Schulhaus gebaut. Im Jahr 1870 schließlich entstand das heutige alte Schulhaus in der Ortsmitte. Es wurde 1958 durch einen Erweiterungsbau ergänzt. In früheren Zeiten wurden in der Volksschule Bürglein alle Jahrgangsstufen unterrichtet. Seit 1978 hat die Grundschule Bürglein nur noch vier Klassen. Der Schulsprengel deckte sich früher mit dem Pfarrsprengel. Als der Schulverband Betzendorf im Jahr 1929 in Betzendorf eine eigene Schule erbaute, wurden die Betzendorfer, Markttriebendorfer, Höfstettener, Hörleinsdorfer und Münchzeller Schüler dort unterrichtet. 1975 gab man den Schulstandort Betzendorf auf und verkaufte das Schulhaus später. Die Schüler der „oberen Dörfer“ gingen wieder nach Bürglein zur Schule. Seit dem Jahr 1991 besuchen auch die Kinder aus Neuhöflein und Ketteldorf die Grundschule Bürglein. Die teils zahlreichen Anfragen von Eltern aus anderen Heilsbronner Ortsteilen, ihre Kinder in Bürglein statt in Heilsbronn einschulen zu wollen, beweisen, dass sich Bürglein mit seiner zugegeben recht kleinen Schule nicht zu verstecken braucht.

Die etwa ab dem Jahr 1796 von den Preußen eingeführten Hausnummern, aus deren Reihenfolge übrigens keine Schlüsse auf das Alter der einzelnen Anwesen gezogen werden dürfen, lösten zum 1. Oktober 1985 die neuen Hausnummern mit Straßenbezeichnungen ab, nachdem bis dahin 77 Hausnummern vergeben worden waren.

Die ehemals selbständigen Dörfer Bürglein und Böllingsdorf bildeten ab 1806 oder 1807 die Gemeinde Bürglein. Diese wurde im Rahmen der Gebietsreform am 1. Januar 1972 in die Stadt Heilsbronn eingemeindet. Bestrebungen, dies zu verhindern und zusammen mit den Nachbarorten Bonnhof, Gottmannsdorf, Betzendorf, Markttriebendorf, Höfstetten und Hörleinsdorf eine „neue“ Gemeinde Bürglein zu bilden, scheiterten unter anderem an einem Bonnhofer Bürger, der plötzlich über Nacht umschwenkte und sich anmaßte, namens der Ge­meinde Bonnhof diesem Vorhaben eine Absage zu erteilen.
Dennoch ist es in Bürglein gelungen, sich durch die zahlreichen Vereine, Verbände, Gruppen, Gemeinschaften und Genossenschaften sowie durch eine intakte Dorfgemeinschaft ein Stück Eigenständigkeit zu erhalten. Die Freiwillige Feuerwehr, der Gesangverein, die Soldaten- und Bürgerkameradschaft, der Rad- und Motorsportclub, der Sportverein samt Damengymnastikgruppe, der Schützenverein, die Arbeiterwohlfahrt, der Grundschul-Förderverein und seit Mitte des Jahres 2016 auch die Angelfreunde sind nach wie vor aktiv. Durch zusätzliche Gruppierungen, wie Kärwabum und -madli, Posaunenchor, Kirchenvorstand, Volkstanzfreunde, Skifreunde, Siebener, Rechtlergemeinschaft und Jagdgenossenschaft, herrscht in Bürglein ständig Bedarf an Idealisten, die bereit sind, einen Teil ihrer Freizeit für die ehrenamtliche Arbeit zu opfern.

War Bürglein Mitte des vergangenen Jahrhunderts noch überwiegend von der Landwirtschaft geprägt – damals gab es in Bürglein etwa 41 Milchlieferanten – stehen heute gerade noch auf einem einzigen Hof Mutterkühe und auf einem weiteren Reitpferde im Stall. Gerade einmal drei Betriebe bewirtschaften zumindest noch einen Teil ihrer Äcker und Wiesen selbst, wobei auf den Feldern höchstens noch extensiv Grünfutter produziert wird. Diese keinesfalls erfreuliche Entwicklung vermochte auch die zwischen 1963 und 1969 durchgeführte Flurbereinigung nicht aufzuhalten.

Von den unzähligen Gewerbebetrieben, die einst in Bürglein ansässig waren, um den vielen Kleinbauern das Einkom­men zu sichern, blieben nur sehr wenige übrig. Die drei örtlichen Gasthäuser werden aber nach wie vor betrieben.
Durch Ausweisung zweier Baugebiete (ca. 1990 in der Flur Mühlleite und 2001 in der Flur Schutzäcker) stiegen die Zahl der Anwesen und die Ortsgröße an. Aktuell laufen die Planungen für ein neues Baugebiet in der Flur Bäckerleite.
Im Jahr 2011 verkaufte die Stadt Heilsbronn das städtische Anwesen in der Großhabersdorfer Straße 18, das seit unerdenklicher Zeit zur Gemeinde Bürglein gehört hatte.

Im Jahr 2008 begingen die Ortsbürger, mit Unterstützung der Bewohner Böllingsdorfs, die Feier zum 900-jährigen Jubiläum Bürgleins. Den Höhepunkt der Feierlichkeiten bildete ein großes Fest am 28. und 29. Juni 2008 mit Festprolog und großer historischer Handwerkerstraße. Anlässlich dieses Festes gab der Festausschuss ein 335-seitiges Buch mit dem Titel „900 Jahre Bürglein – Ein Dorf und seine Geschichte“ heraus, von dem noch Rest-Exemplare im Pfarramt Bürglein erworben werden können.

Am 31. Dezember 2017 zählte Bürglein 367 Einwohner.

Die Kirche zu Bürglein

Das Kirchenschiff des derzeitigen Gotteshauses der Kirchengemeinde Bürglein wurde in den Jahren 1725/26 im Markgrafenstil erbaut. Der Kirchturm stammt jedoch noch von der Vorgängerkirche, die erstmals in einer Urkunde von 1268 erwähnt wird. Allerdings erhielt der Turm seine derzeitige Höhe von etwa 36 Metern erst beim Bau des neuen Kirchenschiffs. Die Vorgängerin war damals baufällig und zu klein für die wachsende Gemeinde geworden. Vor dieser alten Kirche dürfte an derselben Stelle eine Taufkapelle eines fränkischen Königshofes gestanden haben.
Der Patron der Bürgleiner Gotteshäuser war von Anfang an Johannes der Täufer.
Von den drei Glocken stammt die mittlere aus dem 13., die kleinste aus dem 14. und die größte aus dem 15. Jahrhundert. Die Kirchturmuhr wurde im Jahr 1917 von dem vermögenden Bankier Lorenz Zuckermandel aus Berlin, geboren in Bürglein, gestiftet. Das Baujahr der Orgel ist 1905.

Das ursprüngliche alte Pfarrhaus hatte bereits im Jahr 1621 einem Neubau weichen müssen. Dieser wurde im Jahr 1751 abgebrochen und an derselben Stelle das heutige, unweit der Kirche stehende Pfarrhaus erbaut.

Der alte, im Kirchhof gelegene Friedhof wurde im Jahr 1938 durch den neuen Friedhof mit Leichenhaus am Ortsrand Bürgleins ersetzt. 1961 erbaute die Kirchengemeinde das Gemeindehaus, das zuletzt in den Jahren 1999 bis 2001 gründlich renoviert und erweitert wurde.

Obwohl – wie schon oben erwähnt – in Bürglein eine Johanneskirche steht, feiert man jährlich am Sonntag nach dem 25. Juli die Jakobi-Kirchweih.
Die derzeitige Ortspfarrerin der Kirchengemeinde Bürglein heißt Dörte Knoch. Sie ist die erste Frau auf dieser Stelle und belegt Platz 34 in der Reihe der Geistlichen seit der im Jahr 1536 eingeführten Reformation.

 

Böllingsdorf, im Februar 2018
Jürgen Hufnagel

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